Künstliche Intelligenz in Organisationen
Ende November 2022 markierte einen bedeutenden Wendepunkt in der Welt der praktischen IT-Anwendungen: OpenAI stellte ChatGPT der Öffentlichkeit vor und löste damit einen weltweiten KI-Boom aus. Das erklärte Ziel des Unternehmens: die Entwicklung einer sogenannten Artificial General Intelligence, also einer universellen künstlichen Intelligenz, die der gesamten Menschheit zugutekommen soll.
Seitdem hat sich vieles grundlegend verändert. Ganze Branchen, Geschäftsmodelle, Softwarelösungen, soziale Netzwerke, zwischenmenschliche Kommunikation, Navigation und der Zugang zu Informationen – all das wurde durch die rasante Weiterentwicklung von KI-Technologien neu definiert.
Die digitale Welt, wie wir sie noch vor wenigen Jahren kannten, existiert in dieser Form nicht mehr.
Intelligenz und Vernunft
Bevor man sich der Technologie zuwendet, sollten zunächst zwei zugrunde liegende Begriffe bewusst gemacht werden:
- Intelligenz ist die Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen, zu lernen, logisch zu denken und Sinnzusammenhänge zu erkennen. Sie umfasst eine Bandbreite kognitiver Fähigkeiten wie Informationsverarbeitung, Gedächtnis, Kreativität, abstraktes Denken und das Anwenden von Gelerntem.
- Vernunft umfasst im Unterschied dazu weitergehende Fähigkeiten, etwa über das unmittelbar Gegebene hinauszudenken und moralische, ethische oder sinnbezogene Urteile zu treffen.
Was kann KI tun?
Künstliche Intelligenz ahmt rationale oder vernünftig wirkende Entscheidungen nach – basierend auf Algorithmen, Trainingsdaten und Vorgaben.
Die Technologie kann:
- Muster erkennen
- Daten analysieren
- Handlungsoptionen vorschlagen
- Entscheidungen simulieren
- Regeln anwenden, die Menschen definiert haben
KI kann zwar eine Vielzahl von Aufgaben ausführen – jedoch immer nur innerhalb der Grenzen dessen, wofür sie trainiert oder programmiert wurde.
Kann Künstliche Intelligenz "vernünftig" handeln?
NEIN, denn Vernunft setzt Fähigkeiten voraus wie:
- moralisches Abwägen
- ethische Bewertung
- Verständnis von Sinn, Werten und Kontext
- Selbstreflexion und Verantwortungsbewusstsein
Diese Begabungen beruhen auf Bewusstsein, Erfahrung, Emotionen, kultureller Prägung und menschlicher Urteilsbildung - KI besitzt keine dieser Eigenschaften!
Die Technologie kann zwar rational erscheinen, aber nicht vernünftig handeln — denn Vernunft ist untrennbar mit menschlichem Bewusstsein, Moral und Kontextverständnis verbunden.
Welche "KI" eignet sich nun für Unternehmen oder die öffentliche Verwaltung?
Für die meisten Anwendungsfälle in Unternehmen sowie in der öffentlichen Verwaltung sind KI-Systeme auf Basis von Large Language Models (LLMs) vollkommen ausreichend. Ein LLM ist eine KI, die auf Grundlage großer Mengen an Textdaten gelernt hat, Sprache zu verstehen, zu verarbeiten und eigenständig zu erzeugen.
Nahezu in allen Bereichen von Organisationen werden unzählige Dokumente – sowohl analog als auch digital – erstellt, bewegt und weiterverarbeitet. Gleichzeitig kommen vielfältige, bereichsspezifische Fachanwendungen zum Einsatz, die die dazugehörigen Daten enthalten. Genau in diesem Zusammenspiel entfalten LLMs ihre besonderen Stärken, da sie Dokument- und Datenprozesse effizient analysieren, strukturieren und automatisieren können.
Zentrale Funktionen sind:
- Text verstehen: Fragen, Anweisungen und Kontext erfassen (z. B. „Erkläre mir…“, „Schreibe einen Text über…“).
- Text generieren: Texte schreiben, ergänzen oder umformulieren (E-Mails, Berichte, Geschichten, Zusammenfassungen).
- Übersetzen & Umschreiben: Sprachen übersetzen, Stil anpassen (formell/locker), Texte vereinfachen oder verdichten.
- Fragen beantworten & Wissen bereitstellen: Erklärungen liefern, Beispiele geben, strukturieren – auf Basis des gelernten Wissens und ggf. zusätzlicher Quellen.
- Interaktive Dialoge führen: Schrittweise mitdenken, Rückfragen beantworten, beim Problemlösen oder Ideensammeln helfen.
Wichtig: ein LLM hat kein Bewusstsein – es berechnet nur, welche Antwort sprachlich und inhaltlich am wahrscheinlichsten passt.
Eine Vielzahl konkreter Anwendungsfälle wird im Buch „Die öffentliche Verwaltung im KI-Zeitalter“ beschrieben.
Es bietet umfangreiche, praxisnahe Hinweise sowie konkrete Lösungsvorschläge für den erfolgreichen und verantwortungsvollen Einsatz von KI in Dokument- und Datenprozessen, wie sie sowohl in Unternehmen als auch im öffentlichen Sektor auftreten.